Sonntag, 31. Juli 2011

Die Wasserschlacht vom Ku'damm...

oder: Der 20. Vattenfall City-Night-Run in Berlin

Den ganzen Tag über regnete es mal mehr mal weniger, aber das immerhin sehr konstant. So hielt sich unsere Lust durch die Stadt zu laufen in Grenzen, außerdem wollten wir unsere Beine nicht überstrapazieren, die mussten ja am Abend noch Höchstleistung bringen und hatten außerdem schon 300 Kilometer Autofahrt hinter sich. Ziemlich relaxt verbrachten wir dann einen Großteil unserer Zeit auf dem Hotelzimmer, der Sportschau und dem Laptop sei Dank, ohne große Langeweile.

Gegen 19 Uhr ging ich noch mal duschen; irgendwie fühlte ich mich ziemlich üsselig, war ja schon zweimal nass geworden, ein absoluter bad-hair-day also! Dann die letzten Vorbereitungen - ich schnitt sogar noch mal die ohnehin megakurzen Fußnägel, um nur ja jeglichen überflüssigen Ballast zu vermeiden ;-)). Im Aufzug unseres Hotels trafen wir noch auf einen dänischen Mitläufer, als wir gegen 20 Uhr los gingen und in den knapp 3 Minuten bis zum Start- und Zielbereich schon wieder nass wurden. Wir schossen noch fix ein paar Fotos, als wir uns auch schon verabschieden mussten; ich startete aus Block E und Dirk in Block C. Um 20.30 Uhr sollte es los gehen. Die 20 Minuten, die ich dann recht weit vorne in meinem Block wartete, machten mich schon fast nass bis auf die Knochen. Ich beneidete diejenigen, die in ihren peinlichen Mülltüten gekommen waren und nahm mir vor, das beim nächsten Regenwettkampf auch so zu tun. Schließlich ist es nicht mehr peinlich, wenns alle tun.

Nach einer ganzen Weile durfte der Block ein Stück vorrutschen. Ich hatte schon meinen Kopfhörer auf den Ohren und stimmte mich mit Rammstein ein bisschen aggro-like ein. Kurz bevor der Startschuss fallen sollte, fiel die aufblasbare Startkonstruktion in sich zusammen, begleitet von lautem Gelächter und Applaus. Laut Berliner Morgenpost machte auch hier das viele Wasser der Technik zu schaffen. Somit verzögerte sich unser Start um 5 Minuten - das Wetter, unterschiedlichste Regenvarianten und böiger Wind, hätte demnach nicht schlechter sein können, sieht man von Schneeverwehungen und Glatteis ab. Meine Nervosität hielt sich in Grenzen, lediglich ein nicht wirklich vorhandener Druck auf die Blase zeigte mir, dass ich wohl doch aufgeregt war. Aber pinkeln ging jetzt beim besten Willen nicht mehr, außerdem wusste ich ja, dass ich nicht wirklich musste. Dieses Phänomen begleitet mich schon seit Kindertagen, damals zuerst beim Zahnarzt festgestellt.

Dann gings endlich los. Der Tross setzte sich in Bewegung und ich lief ruhig und dennoch zu schnell mit. Die ersten beiden Kilometer lief ich unter 6, was für mich schon fast einem Intervalltraining gleich kommt. Auf meiner Uhr konnte ich wegen des Regens und ohne Brille sowieso, nichts genaues erkennen, also lief ich mehr oder weniger auf Gefühl. Um meine Nerven im Zaum zu halten, stellte ich mir einfach vor, ich sei mit einer riesengroßen Laufgruppe unterwegs, die einfach nur eine Sightseeingtour durch das schöne, wenn auch grad mächtig verregnete Berlin macht. Dennoch zogen sich die Kilometer irgendwie wie Kaugummi; das erste Schild sah ich bei Kilometer 4, da dachte ich aber, es müssten längst um die 6 oder 7 gewesen sein. Au Backe, noch sooo weit?!?! Wir haben noch nicht mal die Hälfte und ich wurde im Grunde immer nur überholt...

Die Regentropfen hingen an meiner Nase, hier und da musste ich mal über die Augen wischen, in den Schuhen stand das Wasser, es waren zu viele große Pfützen, denen konnte man nicht allen ausweichen, ohne anderen in die Quere zu kommen. Einmal nass, ist sowieso alles egal.

Die zweite Runde über den Ku'damm zog sich unendlich, da kamen auf der anderen Seite schon die ersten Läufer auf ihrem Weg ins Ziel. Ich dachte, die Straße nimmt kein Ende mehr und auf meiner Playlist kam schon der Song, der mich eigentlich zeitlich in den Endspurt begleiten sollte. Meine Güte, ich muss verdammt langsam unterwegs gewesen sein. Endlich kam der 7,5 km Wendepunkt, jetzt gings nur noch in die Zielgerade. Gefühlt schwer bergauf laufend stellte ich den MP3 Player auf volle Lautstärke und versuchte noch ein wenig auf der flunderflachen Gerade zu beschleunigen. Aber die Beine wollten nicht mehr. Beim letzten Kilometer setzte dann noch mal ein Starkregen ein, endlich kam der Zielbereich in Sicht. "Locker bleiben und weiter laufen, gleich ist es geschafft und du kannst endlich stehen bleiben", versuchte ich mich über die letzten hundert Meter zu mobilisieren. Und dann endlich, den Finger auf der Stoppuhr, lief ich über die Matte, die offizielle Anzeige zeigte etwas von 1:10 an. Oh Gott! So langsam, das durfte nicht wahr sein. Schließlich hatte ich gehofft, meine Bestzeit zu toppen, die laut Duisburg bei 1:06 lag. Von einer sub60 hatte ich nur entfernt zu träumen gewagt, dafür lief es einfach zu schlecht.

Am Ende der Zielabsperrung entdeckte ich meinen Schatz, der mit einem Handtuch und einer warmen Jacke auf mich wartete, die er zuvor fix im Hotel geholt hatte. Er hatte eine Zeit von 48 Quetsch und klatschte mich glücklich ab. Ein vorsichtiger Blick auf meine Uhr zeigte eine 1:04:10 an! Yezzzz! War doch nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte, wenn auch weit entfernt von einer 60. Mein zweiter 10 km Wettkampf war geschafft! Raus aus den nassen Klamotten und ab zum Finisher-Bier. Noch den Chip abgefummelt und von einer netten Mitläuferin fotografiert worden, kurzen Plausch gehalten und zurück zum Hotel. Dort gings nach dem Dehnen gleich unter die Dusche und dann weiter zum Hard Rock Cafe, wo wir uns einen großen Humpen Berliner Bier und ein leckeres Essen genehmigten. In der Hotelbar noch einen Absacker geschlürft, den Lauf Revue passieren lassen und ins Bett  gefallen. Trotz des Wasserspektakels war es ein toller Wettkampf. Klar, aber ist nicht jeder Wettkampf toll, in dem man eine neue persönliche Bestzeit läuft?! Die offizielle Zeit wurde dann zu einer 1:04:26, ich bin super zufrieden damit!!!




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