Dienstag, 2. August 2011

Schneckenslalom an der Elster

oder: Urlaubslauf 2.0

Nachdem wir noch ein gemütliches Frühstück in Berlin hatten, machten wir uns weiter auf den Weg nach Leipzig. Aus Berlin heraus und in den Stau hinein fahrend, stellten wir beide abermals erfreut fest, wie schön (und vor allem wie grün) Berlin doch ist. Mal sehen, wann es uns das nächste Mal nach Berlin verschlägt.

Die Navi-Tante verfluchend, die uns geradewegs in diesen blöden Stau schickte, harrten wir der Dinge, die da kamen. Wie erwartet fing mein Knie bereits nach kurzer Zeit an zu schmerzen. Zum Glück lagen diesmal nur 170 Kilometer vor uns. Unterwegs schluckte ich eine Ibu800, doch so ganz ohne Stopp funktionierte es nicht; die Schmerzen zogen hoch bis in die Pobacke und der gesamte Oberschenkel war in Mitleidenschaft gezogen. Erst die Kaffeepause mit einer kurzen Bewegungseinlage linderte meine Schmerzen. Bevor ich im September zum MRT gehe, sollte ich unbedingt einen 10 km Lauf und eine Stunde Autofahrt vorher machen...

Mit Nieselregen kamen wir in Leipzig im Hotel Royal an. Wir staunten nicht schlecht, als wir beim Einchecken eine Mega-Baustelle vor der Tür des Hotels entdeckten, die sage und schreibe ganze 8 Kräne aufweist. Hier wird eine weitere schicke Einkaufsmeile errichtet (Leipzig hat ja eh erst so wenig Passagen und Geschäfte, da kommen die neuen 127 Läden genau richtig!), eine dazugehörige Tiefgarage inklusive. Aber ehrlich gesagt störte uns das wenig. Im Gegenteil. Wir sind ohnehin Frühaufsteher und es ist wirklich super interessant, den Arbeitern aus dem Fenster des Zimmers heraus auf die Finger zu schauen. Sollte das gerade sarkastisch geklungen haben, war das nicht so gemeint, nein, es ist wirklich interessant, was die so an einem Tag weg arbeiten und wenn die Kräne so einen Meter vor dem Hotelfenster riesige Betonwände transportieren, doch, das hat was! So hautnah sieht mans nicht alle Tage! Doch was red ich hier von Bauarbeitern und Kränen, es geht doch hier ums Laufen...

Heute morgen also um 7 Uhr, ich war eigentlich schon wach, weil die Bauleute wohl schon um  halb sieben anfangen, plärrt Dirks Handy, dass es 7 Uhr ist und die erwartete Tagestemperatur bei 28 Grad liegt. Wie schön! Ich stehe freudig auf, endlich nochmal ein Tag ohne grauen Himmel und ohne Regen, als ich das Elend auch schon sehe: dickster, fettester Nebel, Sichtweite unter 20 Meter! Ich falle mega-enttäuscht zurück ins Bett und hab schlagartig schlechte Laune. Dirk versucht zu retten, was zu retten  ist, überschüttet mich mit Guten-Morgen-Küssen und meint, das sei gleich alles weg, ganz bestimmt! So richtig glauben will ich das ja nicht.

Nach einem Kaffee im Zimmer mache ich mich mal langsam fertig, ich hatte mich schließlich auf den Lauf gefreut und falls es heute wirklich so warm werden soll, wie vorher gesagt, ist laufen zu einem späteren Zeitpunkt keine gute Alternative und heute Abend wollen wir ins Kino in "Nichts zu verzollen". Hm, ein wenig heller ist es wohl schon geworden. So machen wir uns um 7.45 Uhr auf zum Auto und fahren ca. 5 Minuten bis zum Parkplatz am Stadion nahe der Elster. Dirk hat uns einen Plan ausgedruckt, aber meine Strecke scheint idiotensicher, einmal rauf 2,5 km dann links 1 km und zurück 2,5 km, nicht zu verfehlen. Dirks Strecke ist 10 km lang. Los gehts.

Der viele Regen bringt sie an den Tag, die Schnecken, überall, mit und ohne Häuser, säumen sie meinen Weg. Igitt. Peinlich darauf bedacht, nur ja nicht auf sie zu treten, laufe ich Slalom, mache kleine Lauf-ABC-Einlagen sowie Ausfallschritte und Sprünge. Derweil kann ich die feuchte und doch wunderschöne Landschaft entlang der Elster nicht wirklich genießen, weil ich nicht wirklich hinschauen kann, na wegen der Schnecken. Ich finde die laut Plan bezeichneten Stellen ohne Weiteres und laufe, artig auf die Schnecken achtend, weiter bis zum Schluss. So richtig doll wars jetzt nicht, die Beine noch etwas schwer und überhaupt, vielleicht wäre ich doch besser auch mal ohne Musik gelaufen. Da ist auch schon unser Auto auf dem Parkplatz und ein Moment der Unaufmerksamkeit verursacht somit das bis dahin verhinderte "Platsch". Uäääähhh..... ich glaub, ich muss brechen.

Am Auto kurz gedehnt und mit einem Tempo notdürftig den Schweiß ein wenig weg gewischt (weil Handtuch vergessen), es ist kurz vor 9 Uhr. Um 9.10 Uhr denke ich erstmals, jetzt könnte Dirk aber mal langsam kommen. Um 9.15 Uhr werde ich ungeduldig und auch etwas sauer. 9.20 Uhr, ich bin stinkig, verfalle aber allmählich doch in Sorge, gehe hin und her und frage mich, ob Dirk was passiert sein wird. Hat er sich verlaufen oder verletzt? Um 9.25 Uhr bekomme ich nervöses Bauchweh und frage mich ernsthaft, was ich jetzt machen soll. Ich werde noch eine gute viertel Stunde warten, dann fahre ich zum Hotel und schalte die Polizei ein, melde meinen Mann als vermisst oder verunglückt. Um 9.30 Uhr gehe ich zu der Brücke, wo ich eigentlich gehofft hatte, dass Dirk dort jede Sekunde kommen würde. Er kommt nicht, ich stehe da und überlege, blicke derweil auf den Weg, wo wir unsere Runde begonnen hatten. Nach  einer gefühlten Ewigkeit entdecke ich dort Dirk. Na prima, also verlaufen! Ich überlege, ob ich mich hinter einen Baum verstecke und ihm jetzt einen Schrecken einjage. Ich tue es nicht. "Mist, ich hab mich voll verfranzt," meint er völlig außer Atem. Und ich nur so: "Ich frage mich, wozu du immer diese tollen Pläne ausdruckst uns mit schleppst," teils vorwurfsvoll, doch größtenteils erleichtert, dass er endlich da ist. So hat er statt 10 dann 15 km gemacht, wenn auch ungewollt.

Fix geduscht, ab zum Frühstück und da kommt auch endlich die Sonne raus. Nach dem Schrecken wird dann ein wenig Leipzig erkundet. Und morgen gehts nach Eisenach zur Wartburg. Da aber spätestens am Donnerstag wieder Regen angesagt ist, verkürzen wir unseren Aufenthalt dort auf eine Nacht und haben somit einen Tag mehr Ruhe, bevor wir in Aachen am 1. Sportschecklauf am Freitag teilnehmen. Irgendwie lebt dieser Urlaub von der Improvisation. Aber, gibt schlimmeres. Nur ja keinen Stress.

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