Samstag, 15. Oktober 2011

Cachingtour mit Tränen

Nachdem Einkauf, Wäsche und Mittagessen erledigt waren, musste ich mich doch erst mal ein halbes Stündchen lang machen. Dann ging es gegen 14.30 Uhr los zum geocachen. Dirk hatte uns heute 7 caches in der Soers heraus gesucht. Die Tour startete am Sonnenweg und  ging über den Lousberg und dem Tivoli zurück, in Summe um die 6 Kilometer. Das Wetter war ideal für eine Wandertour, ca. 15 Grad, leichter, teils frischer Wind und Sonne satt. Um mich weiterhin auf meine Pilgertour vorzubereiten, übte ich heute das Rucksacklaufen, ich schätze ihn so auf ca. 8 Kilo - das muss für den Anfang reichen. Gleich bei den ersten Metern merkte ich, dass die Schlüsselbeine sehr wenig Polsterfläche bieten - oh ha! Den ersten cache fanden wir ruckizucki, während wir uns beim zweiten sehr schwer taten. Diesen vermuteten wir irgendwo in einem Baum, haben ihn aber nicht gefunden. Es kostet doch teilweise schon etwas Überwindung, in die Bäume oder Hecken hinein zu greifen und zu suchen. Weiter gings durch die herrliche Soers-Landschaft. Nun wohne ich hier schon ewig und war zum ersten Mal in dieser Ecke der Soers unterwegs, toller Blick auf den Lousberg, dessen Bäume sich bereits in zarter Herbstlaubfärbung befanden. Vorbei an Pferdeweiden mit friedlich grasenden Pferden, die mein Herz wieder schneller schlagen ließen, Kühe, die uns interessiert hinterher schauten. Hätte ich es nicht besser gewußt, hätte ich gedacht, ich bin irgendwo in der Eifel oder sogar in Österreich unterwegs (gut, der Lousberg ist jetzt nicht ganz so hoch, wie die Berge im Ösiland)... Auch den folgenden cache fanden wir nicht. Inzwischen wissen wir, dass die Koordinaten alleine nicht wirklich ausreichen, um den cache zu finden, die Beschreibungen dazu sind wohl auch außerordentlich wichtig und hier haperte es bei uns. Wir sind ja noch Anfänger, wenn auch keine Muggels mehr und hatten somit heute eine wichtige Erkenntnis. Der nächste Cache lag direkt auf dem Lousberg und war gut zu finden, in einem hohlen Baumstamm. Um den Berg herum gings dann wieder runter in die Zivilisation. Außerordentlich schöne Wege und eine tolle Aussicht auf Aachen prägten den Abstieg zurück in Richtung Tivoli.

Hier machten wir natürlich einen Abstecher zum alten Stadion der Alemannia Aachen, das sich derzeit im Abriss befindet. Dirk erzählte kurz, dass die Bagger wohl schon sehr fleißig seien und der Würselener Wall, auf dem wir immer standen, nur noch ein Lehmhügel sei. Ich war demnach vorgewarnt. Doch was mich an der Absperrung des Baustellenzauns erwartete, schockierte mich zutiefst. Ich denke, die Fotos sprechen für sich. So stand ich zunächst mit einem Kloß im Hals am Zaun und blickte auf das, was mal ein Fussballstadion war, was nicht ohne Grund als "Hexenkessel" bezeichnet wurde. Erinnerungen kamen hoch. Wie viele Spiele es waren, die ich hier geschaut habe, wie viele Stunden es waren, die ich hier verbracht habe, kann ich nicht sagen. Teilweise halb erfroren und pitschnass, heiser gebrüllt,  je nach Ausgang eines Spieles, tief enttäuscht oder extrem euphorisch  wieder nach Hause oder in die Stadt zum Feiern gefahren. Der Würselener Wall, dort hab ich mein allererstes Spiel der Alemannia gesehen im zarten Alter von 16 Jahren und auch  mein Letztes, nicht zu vergessen, das Abschiedsspiel von Willi und Eric, wo auch wieder reichlich Tränen flossen. Auf dem WüWa standen wir in der prallen Sonne, ebenso wie in Schnee und Eis, meist bereits eine Stunde vor Spielbeginn, um einen vernünftigen Stehplatz zu bekommen. Mein Gott, was war hier los, als der FC Bayern unser Gegner war?! So viele Emotionen, so laut und so unvergesslich hab ich diese Spiele in Erinnerung, als wäre es gestern gewesen. So stehe ich hier am Zaun, blicke auf den berüchtigten S-Block mit den vermeintlichen hardcore-Fans und Tränen laufen mir übers Gesicht, leise, schmerzvoll, mit dem Wissen, dass es nie wieder so werden wird. Der 12. Mann, damit habe ich mich identifiziert, ich war mit Haut und Haaren dabei, sicher auf meine Weise und sicher auch nur zeitweise. Ich kann nicht behaupten zu wissen, gegen welchen Gegner wir in welchem Jahr wie gespielt haben, aber Leidenschaft und Patriotismus war dabei. Da kannte ich die Spieler noch, wenn ich auch nicht immer wusste, auf welcher Position sie spielten. Bedingt durch einen Berufswechsel verlor ich ein wenig den Bezug zur Alemannia. Die Spieler waren mir nicht mehr so lieb und teuer, wie ein Willi Landgraf oder Stefan Blank, ein Eric Meijer oder Kalla Phlippsen. Und dann kam der Neubau des neuen Tivoli-Stadions. Die Kultstätte hatte ausgedient, die Ära Hexenkessel war vorbei. Gleich das erste Spiel auf dem neuen Tivoli begann mit einem Desaster gegen St. Pauli (die siegten 5:0!), als ein Hamburger Fan am Ende des Spiels  in die Tiefe stürzte und das neue Stadion "mit Blut befleckte". Der junge Mann lag wochenlang in unserem Uni-Klinikum und wurde von der Alemannia sehr unterstützt. Als er sich, zum Glück völlig genesen, bei einem anderen Spiel bei den Fans und der Alemannia im Stadion über Lautsprecher bedankte, musste ich echt heulen, das war sehr emotional! Aber mit dieser Eröffnung lag irgendwie ein Fluch auf dem neuen Stadion, zumindest für mein esoterisches Denken. Und tatsächlich - die Alemannia fasste einfach nicht Fuß, bis heute. Im Gegenteil, es geht immer weiter bergab, nun stehen sie vor dem Zwangsabstieg wegen Insolvenz. Aachen hat sich mit diesem Stadion total übernommen. Wie es jetzt weiter geht, wird sich in Kürze zeigen, aber es sieht nicht gut aus. 

Melancholisch und den Gedanken nachhängend schleichen wir um das alte Stadion herum und machen ein paar Fotos. Es tut in der Seele weh, die ehemalige Kultstätte, das Zentrum vieler Fussballverrückter aus der Region in diesem Zustand sehen zu müssen! Es ist einfach nur traurig und der Kloß in meinem Hals will nur sehr schwer wieder verschwinden, als ich mir die Nase putze und die Tränen weg wische. Mit so einem Gefühlsaubruch hätte ich nun wirklich nicht gerechnet! Was für eine unerwartete Wendung dieser schönen Tour. Na da lass ich mich mal überraschen, was denn der Camino so alles für mich bereit halten wird!

Wir suchen den nächsten cache im neuen Stadion, schütteln langsam die schwermütigen Gedanken ab, aber auch diesen cache finden wir nicht, der sich im Parkhaus unter den Kunstrasen-Trainingsplätzen befinden soll. Ja, und auch der vorletzte cache am Reitstadion soll uns verwehrt bleiben. Ich weiß jetzt schon, dass ich Mikro-caches doof finde ;-), es ist die kleinste Kategorie. Wir sind schon etwas kaputt und allmählich reicht es auch für heute.  3 Stunden und 7 Kilometer lang sind wir schließlich schon unterwegs. Der letzte cache liegt fast bei unserem Auto und wir finden diesen zum Glück recht unkompliziert an einem Straßenschild mit einem Magneten befestigt. Nette Idee!

Unterwegs nach Hause kaufen wir uns eine Pizza. Die haben wir uns heute redlich verdient!

Und morgen wird wieder gelaufen. Ich plane eine ca. 10 km Strecke vom Teuterhof bis nach Hause. Mal sehen, was die Beine morgen so dazu meinen. Ich war jedenfalls froh, als ich den Rucksack ausziehen konnte, sowie die Wanderschuhe. Das wird sicher kein Zuckerschlecken in Spanien!















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