Montag, 31. Oktober 2011

Pisa, Teil 2 (Tage 5 - 8)

27.10.2011, Siena
Bei geschlossenem Fenster kam mir die Nacht vor, wie in einem Brutkasten verbracht. Immerhin blieben wir diesmal von Mückenattacken verschont. Allerdings weiß ich nicht, was schlimmer ist – von den Biestern gestört zu werden oder das Gefühl zu haben, wegen ihnen zu ersticken…

Nach der Dusche war das Hotelfrühstück wieder das erste Highlight des Tages. Toskanische Käse- und Wurstwaren und vor allem das frische Obst (mit eingelegten Pflaumen – ein absolutes Kindheitsdejavù überkam mich) geben Energie für den halben Tag. Mindestens.

Heute stand eine Rundreise durch das Chianti-Tal auf unserem Plan, Endziel die Stadt Siena mit dem muschelförmig angelegten Piazza del Campo und seinem 88 m hohen Torre del Mangia.

Unser erster Stopp brachte uns nach San Miniato, ein kleines aber sehr schönes Städtchen, bekannt für seine weißen Trüffel. Ein Spaziergang hinauf zum höchsten Punkt bescherte uns die ersten beeindruckenden Aussichten auf die Toscana in ihrem herbstlichen Farbenspiel. Das Wetter war noch etwas diesig, was dem Ganzen einen leicht mystischen Hauch verlieh. Noch ein kurzer Aufenthalt in der Kirche, eine Kerze angezündet und über die schönen Wandmalereien gestaunt, ging es weiter in eine klitzekleine Bar für einen leckeren Kaffee und einen Blick in die italienische Zeitung. Die Bilder des Unglücks in dem kleinen, vom Regen verschütteten Dörfchen im Norden des Landes, sprachen für sich, so dass die Sprache überflüssig war. Wirklich schlimm! Dass Parken ohne Parkschein ähnlich wie in Holland auch in Italien sehr teuer ist, mussten wir leider am Auto angekommen feststellen. Wir hatten keinen Parkscheinautomaten gesehen, so dass wir nur die Parkscheibe eingestellt hatten und das war unser Fehler. 39,- Euro kostet uns das Vergnügen – dafür hätten wir sicher so manche Trüffel futtern können. Nun, shit happens. Oder sollte das vielleicht das Omen für diesen Tag werden?!

Wir fuhren weiter Richtung Siena, immer wieder anhaltend, um ein paar schöne Bilder zu machen. Während Dirk sich die günstigsten Stellen suchte, schaute ich den Olivenbauern beim Ernten zu. Mit einem elektrischen Gerät, ähnlich einer Mistgabel, rütteln sie in die Zweige hinein und somit die Oliven los, die in ein darunter liegendes Netz fallen. Ich frage mich mal wieder, wer all die Oliven essen soll, die hier wachsen (sowie in Spanien und auch in Griechenland)? Ich fange mal wieder an zu spinnen, und stelle mir ein Leben auf dem Land vor…

Weiter geht’s durch Weinberge über angenehm zu befahrende Straßen, sogar in den Serpentinen. Die EU lässt grüßen. Italien gefällt uns beiden deutlich besser, als Griechenland. Im Gegensatz zu den Griechen, scheinen die Italiener anpacken zu können. Auch die Mentalität der Menschen, sofern wir das in der Kürze überhaupt beurteilen können, liegt uns mehr. Der Grieche ist doch ein wenig gleichgültig in seiner Art, so in etwa: Ob du (der Tourist) hier bist oder nicht, interessiert mich nicht. Die Uneinsichtigkeit der Griechen im Bezug auf den Sparkurs und die Beschimpfungen gen Deutschland lassen meinen Hals ganz schön anschwellen!  Da werden wir sicher keinen Urlaub mehr machen.

Es ärgert mich kolossal, dass ich nicht schon längst Italienisch gelernt habe, die Sprache, die ich schon seit vielen Jahren lernen möchte und die man leider nicht lernt, in dem man zwei Sprachkurse im Regal stehen hat. Die wenigen Brocken, die ich kann, helfen lediglich, die Höflichkeit beim Bestellen von Essen oder Kaffe zu wahren. Apropos Essen… Es wimmelt hier also nur so von Kohlenhydraten und inzwischen kommt bei  mir ein richtiges Fleischdefizitgefühl auf. Da wir trotz des kargen Reiseführers (wir nennen ihn kurz und knapp „Den Führer“ ;-)) nicht wirklich verstehen, was Fisch oder Fleisch ist, beschränken wir uns weitestgehend auf unsere deutsch-italienischen Speisekartenkenntnissen. Auch das Handy von Dirk mit seinem Übersetzungsprogramm ist uns keine wirkliche Hilfe. Ich nehme mir also ernsthaft vor, vor unserer nächsten Reise nach Italien (und die wird es sicherlich geben) deutlich mehr Kenntnisse dieser Sprache im Vorfeld zu erwerben. Ich komme mir so hilflos und dumm vor, wenn ich noch nicht mal in der Lage bin, meinen Fleischbedarf zu stillen.

Aber weiter geht’s nach Siena. Dort angekommen, die Stadt ist größer als ich dachte, finden wir recht schnell einen guten Parkplatz mit Parkscheinuhr. Kleingeld ist hier irgendwie ein Mangel, aber wir kommen mit unserem auf ca. 16.45 Uhr und stiefeln los in Richtung Altstadt. Leider, leider musste ich schon wieder ein ganz dringendes Bedürfnis verrichten, so dass wir erst einmal etwas abseits liefen und ich mich zwischen zwei Autos im Schatten der Stadtmauer hocken konnte. Das hatte wiederum den Nachteil, dass wir erst einmal in die falsche Ecke liefen, bis wir schließlich umkehrten und zurück dorthin liefen, wo wir in etwa angekommen waren. Tolle Show! Das kostete uns Zeit, die uns später für ein Essen in Ruhe fehlen sollte. Je näher wir der Piazza del Campo kamen, umso reger wurde der Betrieb und es häuften sich die G’schäfterl in der Altstadt. Der Platz war wirklich sehr schön und es wimmelte nur so von Menschen. Während Dirk einen kurzen Rundgang für ein paar schöne Fotos machte, hockte ich  mich, wie viele andere auch, einfach auf den Boden und beobachtete das Treiben. Eigentlich wollten wir dann noch eine Kleinigkeit essen gehen. Eigentlich. Und eigentlich saßen wir auch schon in dem Lokal unserer Wahl, bis uns dann doch irgendwie kurz bewusst wurde, dass wir eigentlich gar keine richtige Zeit mehr hatten, um groß was zu essen. Also standen wir, unwesentlich streitend, warum, weshalb und wieso wir nun keine Zeit mehr haben, zum Leidwesen des verständnislosen Kellners wieder auf und verließen fix und mit gesenktem Haupt das Restaurante. Schmollend und verärgert liefen wir mit zügigen Schritten Richtung Auto und nahmen unterwegs nur einen Coffe to go und ein Vanille-Crossaint zu uns. Das Risiko, weitere 39,- Euro zahlen zu müssen, war uns dann doch zu groß, so etwas braucht man nicht zweimal an einem Tag! Nun, so war das alles nicht geplant gewesen und die Enttäuschung war beiderseits schon groß. Aber gut - et is, wie et is und weiter geht’s, ab Richtung Heimat. Vielleicht sieht man ja unterwegs noch etwas Nettes zum Einkehren. Aber mir schwant da schon Böses, da die Cucchinas hier stur ihre Mittagspausen machen und die gehen bis 19.30 Uhr, wie wir inzwischen wissen. Wenn andere Leute sich bettfertig machen, gehen die Italiener zum Essen. Macht im Sommer ja sicherlich Sinn, aber so?!

Wir fahren gerade auf die Autobahn auf, als rechts wie links die Autos stehen – Stau! Nichts geht mehr. Und wenn was geht, dann nur Meter für Meter im Schneckentempo. So hängen wir bis zur nächsten Abfahrt, in der alle Autos von der Autobahn abgeleitet werden, eine Stunde völlig sinnlos fest. Weder eine Baustelle noch ein Unfall ist erkennbar. Wer jetzt meint, die Tortour wäre überstanden, der täuscht sich. Zunächst suchen wir so fix es geht ein Plätzchen, wo ich ein abermaliges Bedürfnis loswerden kann, das auch Dirk inzwischen hat. Alles nicht so einfach, bei dem vielen Verkehr auf der Straße, der nun wegen der Umleitung herrscht. Doch irgendwann gelingt es uns, ein paar halbwegs blickdichte Büsche zu finden und mit großer Erleichterung geht’s weiter. Weiter über Landstraßen und Dörfer, über die wir gekommen sind. Größtenteils zumindest, denn ab und an verfahren wir uns. Die Strecke zieht sich wie Kaugummi und wieder geht’s über die Serpentinen, langsam wird es dunkel. Nach gefühlten 50 Kilometern geht’s wieder auf die Autobahn und mein Knie tut inzwischen Hölle weh, so dass Dirk, der bislang als Navigator fungierte, weiterfährt. Still und meinem Schicksal ergeben versinke ich im Beifahrersitz und harre der Dinge, so gut es geht. Nach weiteren gefühlten 50 Kilometern über die Autobahn kommen wir endlich im Zielgebiet an, der Hunger hat sich beinahe verflüchtigt, aber immerhin ist es inzwischen stockdunkel und so spät, dass garantiert alle Küchen wieder auf haben. Wir beschließen somit noch eimal im Nachbarrestaurant zu essen, weil der Kellner gestern dort auch so bemüht war, uns alles Mögliche zu erklären und uns bestimmte Speisen zu empfehlen. Echt netter Kerl.

Mit einem freundlichen „Buona Sera“ betreten wir das Lokal und stellen ernüchtert fest, dass der nette Kerl wohl heute frei hat und die doofe, unfreundliche Zicke mit dem Gesicht einer sauren Gurke heute Dienst tut. Na prima! Wir bestellen auf italienisch zwei Bier und das Essen, Pasta mit Funghi für Dirk und für mich mit Bolognese (damit ich wenigstens etwas Fleisch dabei habe) sowie due Insalate Mista – als Beilage wohl gemerkt, so wie es auch auf der Karte steht. Wortlos und ohne eine Miene zu verziehen, stellt uns die Schnäpfe das Bier und einen Korb mit Brot auf den Tisch. Noch sind wir guter Dinge und beträufeln das Brot mit Olivenöl und essen schon ein wenig vorab. Die Pasta kommt. Ohne Salat. Wir fangen an zu essen. Der Salat kommt immer noch nicht. Wieder verfluche ich es, die Sprache nicht zu beherrschen, traue mich nicht, die Zicke, die auch jetzt noch im Stress ist, anzusprechen, ob sie den Salat vergessen hat. Die Portion Pasta ist wie immer nicht allzu üppig, aber sehr lecker, und mit Brot wird man eigentlich auch satt davon. Der Gedanke an Milliarden von Kohlenhydraten gefällt mir wenig, aber in der Not oder wie war das gleich? Wir sind fertig. Die Schnäpfe kommt und knallt unsere Bestecke, welche wir auf den Teller gelegt hatten, auf den Tisch zurück. Das lässt vermuten, dass es doch noch Salat geben wird. Hä?! Salat als Dessert?! Er stand definitiv als Beilage auf der Karte, dazu reicht mein Italienisch dann doch noch. Nach mindestens 5 Minuten oder doppelt so lange kommt der Salat. An mista ist nur zu denken, denn der hier ist ausschließlich verde. Ich hab schon keinen Hunger mehr darauf, aus Prinzip schon nicht mehr. Dennoch pimpe ich ihn mit Olivenöl, Essig, Sala und Pepe auf, doch schmecken tuts trotzdem nicht, ich lasse mindestens die Hälfte drauf und könnte, wenn ich die Worte hätte, der Dame mal kräftig den Marsch blasen, dass ein Salat mit Sicherheit auch in Italien nicht als Dessert serviert wird. Wir schenken uns somit ein weiteres Bier, zahlen und verlassen das Lokal, in dem alle anderen Menschen überaus freundlich sind, nur nicht die blöde Bedienung. Der haben wir die Flasche mit dem Olivenöl mit nur angelehntem Deckel zurück gelassen, in der Hoffnung, dass ihr die Flasche beim Hochheben aus der Hand rutscht. Ziemlich todmüde und noch leicht aggressiv nach dieser Tagestour gehe ich umgehend ins Bett, während Dirk noch in den Tiefen seines Handys mit Internet versinkt. Der Tag, der so schön anfing, endete echt Scheiße!

28.10.2011, Mein 3. Lauf und Lucca
Mein erster Gedanke, als ich wach werde, geht in Richtung Tagesplan. Eigentlich sollte es heute nach Florenz gehen, die wunderschöne Stadt, ca. 80 km von uns entfernt, die wir beide unbedingt sehen möchten, Dirk noch mehr als ich. In Anbetracht der gestrigen Tour und der Ewigkeit, die wir im Auto verbrachten, ist mir heute aber ganz und gar nicht danach, ähnliches zu erleben. Also taste ich mich vorsichtig an eine Routenänderung heran. Mein Vorschlag lautet, dass wir uns heute eher nach Lucca begeben, nur ca. 30 Fahrtminuten entfernt. Das würde uns deutlich mehr Freiraum für den Vormittag geben, wieder so einen pickepacken vollen Tag wollte ich heute wirklich nicht. Dirk findet die Idee gut, wir vorverlegen den für morgen geplanten Lauf auf heute, und ich bringe ihn zu seinem geplanten Arno-Lauf-Startgebiet, 9 km von unserem Hotel entfernt. Wieder im Hotel angekommen bekomme ich auch Lust, die Schuhe zu schnüren. Gesagt, getan. Ich laufe wieder die schöne Trimm-dich-Allee Richtung Stadtzentrum und tue mich am Anfang wieder verdammt schwer. Nach 3 km bin ich im Stadtkern und laufe von Brücke zu Brücke und ein bisschen Touri-Slalom. Dort komme ich sogar mit einer Frau in Berührung, die mitten auf der Straße auf einer Brücke, auf der ich ja schon laufe statt des Bürgersteigs, einfach und unvermittelt stehen bleibt und auf ihr Handy glotzt. Ich kann gar nicht anders, packe sie bei den Schultern und schiebe sie Richtung Bürgersteig mit einem lauten und lang gezogenen „Maaaaan!“ Mir wird irgendwas hinterher gerufen (die hat sich sicher super erschrocken) und ich hebe den linken Arm in italienischer Manier und rufe „Blöde Kuh, bleib nicht einfach stehen!“ zurück. Kopfschüttelnd setze ich meine Route fort und freue mich über die Sonne in meinem Gesicht. Zurück auf dem Alleenweg merke ich, dass es inzwischen ganz gut läuft. Eigentlich wollte ich nur die 8 km voll machen, aber ein junger, vor mir laufender Italiener beflügelt mich, ebenfalls den Feldweg einzuschlagen, der parallel zum Fluss verläuft. Der Weg erinnert demnach ein wenig an einen Damm und das Laufen macht richtig Spaß. Rechts meterhoher Bambus und Schilf, so dass ich den Fluss gar nicht sehen kann, links Felder und die Stadt in Sichtweite. Der Dammweg nimmt kein Ende, es kommt keine mögliche Abzweigung nach links, wo unser Hotel liegt. Langsam wird mir ein wenig mulmig und es fängt an in meinem Bauch zu rumoren. Ich kann doch nicht ewig so weiterlaufen, bin inzwischen schon bei 10 km. Allmählich müsste jetzt mal ein Weg nach links kommen. Plötzlich zwackt es ganz doll in meinem Bauch und ich bin heilfroh, dass ich ein Tempo dabei habe. Das ist mir ja noch nie passiert und nun weiß ich, wovon andere Läufer längst zu berichten wissen! Nachdem mir der junge Italiener wieder entgegen kommt, der lief irgendwie anders als ich, suche ich fix eine halbwegs geeignete Stelle im Bambus und lasse den Dingen ihren leidigen Lauf. Meine Güte, wie schrecklich is das denn?! Weiter des Weges kommt das Krankenhausgelände, riesig groß, doch immer noch zweigt keinerlei Pfad vom Weg ab. „Das gibt’s doch nicht!?“ denke ich inzwischen leicht verzweifelt. Ein paar Meter weiter geht’s eine Böschung hinab, die ein Ansatz eines Trampelpfades sein könnte. Mir bleibt nichts anderes übrig, als vorsichtig hinab zu steigen und an der Mauer zum Krankenhaus entlang zu schleichen. Durch kniehohes, feuchtes Gestrüpp, über einen Lehmhügel, durch das Dickicht – ich sehe keinen Ausgang weit und breit! Hier ist ewig kein Mensch mehr gewesen. Ich irre etwas durch das Gelände und hoffe, irgendwo einen Ausgang, ein Schlupfloch, eine Tür oder was auch immer zu finden. Auf der einen Seite die Krankenhausmauer, auf der anderen Seite der Zaun, die Hauptstraße zum greifen nah. Sowohl die Mauer als auch der Zaun sind zu hoch um darüber zu klettern. Ein Anflug von Panik überkommt mich. Und dann sehe ich es endlich! Ein kleines Loch im unteren Zaunelement, so klein, dass ich nur auf allen Vieren durch krabbeln kann, dahinter gleich die Hauptverkehrsstraße! Ich zögere nicht lange, habe ja keine andere Wahl, und krabbele durch das Loch, hoffe, mir nicht mein Shirt zu zerreißen und irgendwo hängen zu bleiben. Auf der anderen Seite angekommen ist die Erleichterung riesig und ich wechsle die Straßenseite. Ich setze meinen Weg laufend fort und bin ca. 700 Meter vom Hotel entfernt. Später erfahre ich von Dirk, der den Weg von der anderen Seite gekommen ist, dass ich noch knapp 500 m hätte laufen müssen, bis der Weg hinter einer Tankstelle mündete. Na prima! Dirk lacht sich schlapp über mein unvorhergesehenes Laufabenteuer. Später, als ich ihm das kleine Loch im Zaun zeige, was tatsächlich nur ein Krabbeln zulässt, staunt er nicht schlecht und bekringelt sich abermals vor Lachen.

Dannach geht’s also auf nach Lucca. Und diesmal mit Camera! Ich frage extra mehrfach nach… Wie immer fahre ich und Dirk macht das Navi. In Italien braucht man nur genügend Gottvertrauen, dann klappts auch mit dem Autofahren, nur ja nicht zu defensiv sein, sonst steht man ewig und drei Tage irgendwo am Kreisverkehr. In Italien gibt’s eigentlich nur zwei Sorten von Autofahrern: Die Zögerlichen und die Haudegen, ein Mittelmaß gibt’s eher selten, das sind dann vermutlich die deutschen Touris. Je nach Situation und Aggressionspotential tendiere ich definitiv zum Haudegen. Aber es macht schon Spaß, in Italien Auto zu fahren. Nur die Sache mit den Parkplätzen ist echt nervig. In Lucca suchen wir also direkt einen großen Parkplatz und haben mal wieder kein ausreichendes Kleingeld. Am Parkscheinautomaten stehen vor Dirk zwei kleine Italiener, wohl Vater und Sohn, sie reichen Dirk gerade mal bis zur Brust und ich könnte schreien bei diesem Anblick. Dirk, der Hüne, fragt sie, ob sie einen 5 Euroschein wechseln können. Sie kommen zwar nur auf 4,50 Euro, aber wir sind happy und zufrieden mit dem vielen Kleingeld. Wir könnten also theoretisch auf dem Parkplatz übernachten, die kostenpflichtige Zeit geht immer nur bis 20 Uhr. Bereits auf dem Weg zur Stadtmauer begegnen wir seltsam kostümierten Menschen. Auf einem Plakat lesen wir dann, dass an diesem Wochenende in Lucca eine Games and Video Convention stattfindet. Wie schön, es gibt also einiges für uns zu sehen! Die meisten Charaktere kennen wir gar nicht, aber Gogo Yubari aus Kill Bill erkenne ich sofort und bin entzückt (leider kein Foto gemacht). Auch Hellboy und einige Figuren aus Pokemon oder Dragon Ball Z sind dabei. Diese Menschen hier haben sich unwahrscheinlich viel Mühe mit ihrem Kostüm gemacht, sind voll in ihrem Element und lassen sich deshalb auch nur allzu gerne fotografieren. Einen besonders schönen Anblick bot die Catwoman aus Batman, eine Figur zum neidisch werden und dazu noch ein bildschönes Mädel in einer perfekt typischen Pose (tippe auf Yoga und Laufen ;-))! Herrlich, wir schauen hier und da und entdecken ganz nebenbei eine wunderschöne, kleine Stadt, ein Kleinod umringt von einer Stadtmauer, Italien pur. In einer super schönen Vinarkia trinken wir endlich ein Glas Chianti. Die süße Bedienung raucht derweil wie ein Schlot vor der Tür und liebt laute Rock’n Roll Musik - köstlich. Lucca ist ein Traum und ein wahres Läufermekka, wie nicht nur wir finden, sondern etliche Läufer, die trotz des Treibens einen Lauf nicht scheuen. So kann man auf der Stadtmauer laufen und direkt darunter in einem sehr gepflegten Park – es kribbelt in unseren Füßen! Ein schöner Tag ohne besondere Vorkommnisse neigt sich dem Ende und voller neuer, schöner Eindrücke fahren wir zurück zum Hotel.






29.10.2011, Florenz
Für heute stand dann der geplante Ausflug nach Florenz auf dem Programm. Dieser drohte erst mal kurz zu scheitern, weil mir die Artischocken auf der späten Pizza am Abend sehr heftig auf den Magen drückten – das Essen um diese Zeit ist echt nicht mein Ding. Dirk ließ mich erst mal in Ruhe gewähren und düste kurz zum Turm, um noch ein paar schöne Aufnahmen zu machen, und ich nahm eine ausgiebige Dusche und danach ging es mir schon besser. Auf nach Firenze! Entspannt kamen wir dort nach einer knappen Stunde Autofahrt an und fanden auch gleich ein Parkhaus, wir wollten auf Nummer sicher gehen. Am Arno entlang gingen wir Richtung Innenstadt und waren vom Anblick auf die Kulisse, die sich uns bot, schon sehr begeistert. Die berühmte Ponte Vecchio mit all den angesiedelten Schmuckgeschäften ließ von weitem bereits ein sehr interessantes Bauwerk erahnen, im Hintergrund die Berge der Toscana, wie auf einer Postkarte! Florenz ist ein absolutes Muss für jeden, der in die Toscana reist. Eine wunderschöne Stadt mit freundlichen Menschen. Man fühlt sich hier nicht übers Ohr gehauen und wird von den vielen Marktständlern schön in Ruhe gelassen und nicht wie in der Türkei ständig und penetrant angequatscht. Wir besichtigten den Dom von Florenz (Kathedrale Santa Maria del Fiore), der glücklicherweise freien Eintritt hatte, denn: Von außen ist dieser deutlich schöner, als von innen. Seine Größe ist zwar enorm beeindruckend, aber von innen gibt’s auffallend wenig Prunk und Schnörkel, sehr untypisch katholisch. Auch wenn weniger oft mehr ist, so fehlte uns beiden hier deutlich etwas Einrichtung. Wir zündeten kurz eine Kerze für unsere lieben Verstorbenen an und tummelten uns des Weges. Wegen meines hier und da noch zwickenden Bauches machten wir ganz gemächlich, mal hier ein Kaffeepäuschen, mal da. Gegen Nachmittag ging es entspannt zurück nach Pisa.


30.10.2011, Abreise
Mit einer geschenkten Stunde mehr am Morgen gabs ein letztes Frühstück im Hotel. Die Koffer hatten wir bereits gepackt. Ein letztes Mal wollten wir noch zum Turm, vielleicht sogar hinauf, wenn es unser Zeitplan noch erlaubt. Leider wäre die nächste Möglichkeit erst um 15 Uhr gewesen, was für uns zu spät war. So schoss Dirk die letzten Fotos und auch er ließ es sich nicht nehmen, in besagter schiebender Pose mit dem Turm von mir fotografiert zu werden.



Ich weigerte mich jedoch weiterhin hartnäckig. Wir kauften noch ein paar Postkarten und tranken einen Kaffee Americano, während wir die Karten für die Familien schrieben. Abschließend gabs noch einen weiteren und letzten Stopp am Arno und dann gings auch schon zum Flughafen. Den Leihwagen zurück gebracht, durch den Duty-free-shop geschlendert und mit leichter Verspätung gings ab nach Hause. Ein schöner Urlaub wurde mit einem Essen bei unserem Lieblingsthailänder in Aachen abgerundet. Nach Italien werden wir sicher noch einmal reisen!

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