Freitag, 28. September 2012

Den Horizont erweitern

"Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie kräftig an und handelt."

Dieses Zitat von Dante Alighiere soll der Einstieg in meinen heutigen Eintrag mit der Überschrift "Den Horizont erweitern" sein.

Es gilt sicher nach wie vor als Tabu, sich selber schwach und fehlbar zu zeigen, es macht sich weder privat noch im Berufsleben gut, Schwächen zuzugeben. Höher, schneller, weiter ist die Devise dieser Tage. Schließlich gilt es, das Gesicht zu wahren und seinen eigenen Ansprüchen an Perfektion gerecht zu werden.

Perfektion - ein großes Wort! Wer will nicht das Gefühl haben, in seinem Tun und Sein der oder die Beste zu  sein? Besonders unter Läufern ist sie zu finden, mehr oder weniger stark ausgeprägt. Denn nicht nur erfahrene Läufer, sondern bereits der frischeste Newbie in der "Szene" ist darauf bedacht, seine Strecke zu verlängern, seine Zeiten, in der er diese Strecke absolvieren kann, zu verbessern. Wer einmal einen Wettkampf oder Volkslauf mitgemacht hat, wird den nächsten nicht ohne den Hintergedanken laufen können, seine persönliche Bestzeit eventuell doch zu übertreffen. So motiviert man sich von Wettkampf zu Wettkampf, von Distanz zu Distanz; sind es erst nur 5 Kilometer - vielleicht ein Silvesterlauf - wird daraus bald ein 10 Kilometer-Wettkampf, ein Halbmarathon und im optimalsten Falle vielleicht sogar ein Marathon - die Königsdistanz! Das Laufen ist hier ein schönes Beispiel, welches sich auch auf unser Berufsleben übertragen lässt.

Die wenigsten Menschen, die ich kenne, sind mit ihrem Job rundum zufrieden (wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel). Ich persönlich bin es zum Beispiel nicht. Und weil ich von Kind an eine Perfektionistin bin, leide ich unter diesem Umstand - ich kann nicht das geben, was ich gerne möchte und was ich könnte. Beim Laufen ist das etwas anders;es hat zwar auch eine Weile gedauert, doch inzwischen kenne ich meine Grenzen und habe eingesehen, dass ich mehr eine Lust- und Freizeitläuferin bin - just for fun, das reicht mir inzwischen. Wen interessieren meine Bestzeiten denn wirklich!? Anders beim Job. Der ist vom Kopf her betrachtet sicher ein Traumjob und im Alltag gebe ich immer mein Bestes, weil ich gar nicht anders kann. Aber was nützt der schönste Traumjob, wenn man sich unterfordert und nicht ausgelastet fühlt? Ja, ich breche gerade ein Tabu und gebe zu, dass eine Schwäche in meinem Leben existiert und ich breche ein weiteres Tabu, in dem ich das auch noch öffentlich eingestehe. Bislang habe ich versucht, damit irgendwie klar zu kommen. "Alles eine Frage der entsprechenden Einstellung", habe ich mehr als einmal zu hören bekommen. Seit zwei Jahren versuche ich nun, meine Einstellung zu ändern. Kann sich aber ein Mensch, der ein regelrechtes Arbeitstier ist, zu einem - ich sag es mal ganz böse - Faultier verändern? Jemand, der lieber zu viel, als zu wenig zu tun hat, der sich über seine Arbeit identifiziert, so, wie die meisten Menschen das wohl tun, kann nicht drei Gänge zurück fahren. Was aber tun, wenn das der Fall ist und auch Gespräche nicht wirklich eine Verbesserung herbei geführt haben?

Bislang habe ich, mehr oder weniger still, in mich hinein gelitten. Mit fast 45 Jahren ist der Zug abgefahren, sich noch einmal zu verändern, so dachte ich bislang. Hinzu kommt außerdem, dass ich mit  meinem Umfeld mehr als zufrieden bin, was mir einen Weggang zusätzlich enorm  erschweren würde, ich fühle mich in einem großen Loyalitätskonflikt, denn man mag und schätzt mich und das, was ich tue sehr. So ganz verkehrt bin ich in meinem Job nämlich nicht. Ich habe gern mit Menschen zu tun, kommuniziere gerne in jeder Art und Weise und wenn ich dann noch helfen kann, ist alles in bester Ordnung. Wenn ich noch einmal könnte, wie ich inzwischen wöllte, würde ich gewiss irgendwas mit Psychologie machen. Doch dafür ist es nun zu spät, ich habe ja nicht mal Abitur, mit dem ich überhaupt ein Studium in Erwägung ziehen könnte. Zwei Stichworte haben dennoch dazu beigetragen, dass ich eine Lösung für mein Problem gefunden habe. Das eine lautet "Fernstudium" und das andere war "den Horizont erweitern".

Anders ausgedrückt soll das heißen, dass es nicht um Alles oder Nichts gehen muss, um eine Veränderung herbei zu führen. Ein Fernstudium z. B. bei ILS bringt mir "leider" nur ein Zertifikat, denn ein richtiges Studium kommt ja aus o. g. Grund nicht mehr in Frage. Ein Zertifikat wird vermutlich nur belächelt werden, da mache ich mir auch gar nichts vor. Und da es jedoch nicht wirklich um meine berufliche Existenz geht, wird ein Zertifikat dennoch ausreichen, meinen Horizont zu erweitern. Ich werde mich also weiterbilden, nur für mich persönlich, zunächst zumindest. So habe ich mich also angemeldet! Ein neunmonatiger Fernkurs "Persönlichkeitstraining" ist der Kurs meiner Wahl geworden. Noch einmal etwas Neues tun, vor allem etwas, das mich interessiert; ich kann nun etwas Lernen, was ich mir selber ausgesucht habe. Keine Pflicht-Schule, keine Berufsschule mehr, kein vom Arbeitsamt vorgegebener Lehrgang - nein, meine freie Entscheidung ganz nach meinen persönlichen Interessen!

Verdammt, wieso bin ich nicht schon viel früher auf diese Idee gekommen?!

Eine Krise, mag sie für Aussenstehende noch so banal erscheinen, bedarf einer Veränderung. Veränderung bedeutet Bewegung und ja, ich hab was in Bewegung gesetzt. Die Zeit war reif.

Es fühlt sich richtig gut an! Ja, und wer weiß, was sich daraus ergibt. Es gibt schließlich noch weitere Bereiche, die mich sehr interessieren, wie z. B. der Erziehungsberater oder der psychologische Berater. Diese Kurse dauern allerdings über zwei Jahre. Und wer weiß schließlich heute schon, was sich in zwei oder drei Jahren für neue Möglichkeiten ergeben?

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es - also leg ich mal los! Und wenns nicht für den Job ist, dann auf jeden Fall für mich. Ich schaffe einen Ausgleich für den Intellekt, so, wie das Laufen die körperliche Ausgeglichenheit herstellt.

Ich freu mich!

Kommentare:

  1. Hey, Bildung schadet nie. hau rein und hab viel Freude damit. :)

    Viele Grüße aus Berlin,

    Louie

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  2. Dankeschön, Louie.

    Viele Grüße zurück in das wunderschöne Berlin :-)

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