Montag, 5. November 2012

Der Spuk ist vorbei!

Seit dem ich vor mehr als hundert Jahren mal kurzweilig im Einzelhandel tätig war, weiß ich ein Wochenende wirklich mehr als zu schätzen. Meines fängt nun seit etwa drei Jahren Freitagmittag um 14 Uhr an, geht über den kompletten Samstag und Sonntag hinaus, bis montags um 5.15 Uhr wieder der Wecker klingelt.

Als dies heute Morgen der Fall war, war ich mehr als froh, dass dieses bescheidene Wochenende endlich vorbei ist. Wie schon erwähnt, plagte mich ein ziemlich fieser Muskelkater, den ich  mir am Donnerstag mit dem Laufbahntraining eingefangen hatte. Jede Bewegung war einfach nur von Schmerzen und seltsamen Lauten geprägt, Treppe rauf und runter, Setzen, Aufstehen, Bücken - uuuuuääähhh, einfach nur AUA! Dass man ja eigentlich sehr sportlich war, gerät dann völlig in den Hintergrund dabei, denn ganz im Gegenteil, es fühlt sich so super ungelenk, steif und grobmotorisch an. Man hoppelt staksig und langsam durch die Gegend, stützt sich überall ab, wo es geht, und fühlt sich wie ein Greis. Ihr denkt jetzt bestimmt, boah hey, die übertreibt aber jetzt sowas von! Mit nichten, meine Lieben, denn selbst im Liegen taten die Beine noch weh. In diesem Zustand ins Kino zu gehen war daher ein gewagtes Unterfangen: Von der rechten Arschbacke auf die linke Arschbacke, den Oberkörper vor, dann wieder besser zurück, Arm auf die rechte Lehne verlagert, dann auf die linke und das ganze dann wieder von vorn, bitteschön. Zwischendurch die außerdem schmerzenden Knie, die wegen drohender Bruchgefahr (so fühlte es sich wirklich an!) durchgedrückt werden wollten, mal rechts, mal links das Bein lang gemacht (soweit es der Vordersitz zuließ),  mit Hilfe der Hände die Beine dann doch lieber wieder übereinander geschlagen (so gut es der Vordersitz zuließ), dabei die dauerpopkornfressende Nachbarin touchiert, dem Schatz den Fuß auch mal in die Wade gerammt, egal, ich glaub, er hat von meinem Rumgerutsche eh nicht viel mitbekommen.Wie gut nur, dass der neue James Bond immerhin so spannend war, dass er doch phasenweise sehr ablenkte und einige Minuten stilles Sitzen trotz alledem auch bei mir möglich war.

Neben der körperlichen Pein kam erschwerend noch die seelische hinzu, denn für diese heftige Form von Muskelkater hatte ich keinerlei Erklärung (und hab sie eigentlich bis heute nicht), was mich in einen tiefen Selbstzweifel stürzte. Das Training war gut, es hat Spaß gemacht und es war sicher nicht abzusehen, dass sowas dabei heraus kommen könnte! Wie ich inzwischen weiß, lagert sich Wasser in den Muskeln ab, wenn man Muskelkater hat. Das war bei mir auch völlig unübersehbar! Hatte ich doch in den letzten 15 Tagen über 3 Kilo abgenommen, waren mit einem Mal wieder 2 drauf gekommen! Das zog mich extrem runter und ich wäre am liebsten ins Bett gekrochen und nicht mehr raus gekommen. So ging ich also drei Tage durch die Hölle. Am Samstag hab ich dann versucht, mit einem kleinen Lauf gegenzusteuern, was nur von mäßigem Erfolg gekrönt war, scheiterte ich doch bereits an der nächstbesten Treppe wieder! 

Der geduldigste und liebevollste Schatzi der Welt, der immer wieder fragte, ob er mir irgendwas Gutes tun könnte (von seinen sehr belustigten ab und zu Kommentaren jetzt mal abgesehen) zeigte wieder wahre Größe und ließ sich von meiner miesen Stimmung nicht beeindrucken. Hatte er denn möglicherweise sogar und überhaupt ein schlechtes Gewissen? Schließlich war er es ja, der mich über die Bahn gescheucht hat?! Nein, ich war nicht böse auf ihn, vielmehr auf meinen untrainierten, defizitären Körper und/oder bestenfalls über meinen gesteigerten Ehrgeiz (den ich allerdings gar nicht als solchen empfand).

Doch der vielen Worte nun genug. Heute war der Spuk endlich vorbei und die Beine wollten nur noch laufen. Also ließ ich sie. Im allerbesten Üsselsherbstregenwetter bei 7 Grad drehte ich eine herrliche 8,3 km Runde und als ich pitschnass zu Hause ankam, fühlte ich mich endlich wieder großartig. Krise überwunden.

Kommentare:

  1. Hoert sich ja fast an als ob Du einen Marathon gelaufen waerst :-) Manchmal macht der Koerper halt komische Dinge ... Weiterhin viel Erfolg beim Laufen!

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  2. Ja, Manu, der Vergleich mit einem Marathon kam schon auf. Nach dem HM in Berlin hatte ich nicht solche Probleme. Sehr seltsam :-)

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