Mittwoch, 12. November 2014

Wenn du denkst, es geht nicht mehr - geh laufen :-)

Seit Tagen schon bin ich in keiner guten Verfassung. Mein Lauf am Sonntag war allerdings nochmal ein richtig schönes Highlight, was sicher auch an der immer wieder so tollen Gegend in Maasmechelen in der akut allerbesten Jahreszeit liegt, und auch sonst lief es richtig locker flockig. Untätig bin ich ja nicht, zumindest in sportlicher Hinsicht, die Funktionsgymnastik hatte es am Montag wieder derart in sich, dass mich die böse Muskelkatze erneut ärgerte, auch heute noch. Gestern dann der spontane Frisörbesuch, der meine Haare endlich wieder in die richtige Kürze  gebracht hat, so dass ich  mich immerhin dies betreffend wieder wohl fühle. Und trotzdem. Die letzten Tage fallen mir schwerer und schwerer und ich bin froh, wenn ich abends ins Bett gehen kann. Morgens empfinde ich das Aufstehen mühsam  - ja klar, warum auch soll ich überhaupt aufstehen!? Das gesunde Ernähren fällt mir auch im Moment nicht leicht; ich werde von ständigen Gelüsten geplagt und habe auf alles Mögliche Appettit, vor allem auf Wein, den ich aber nicht trinke (weil ich ihn nicht kaufe, ebenso wie die Schokolade, die mich verfolgt, wie auch die Pommes und die Lakritze und und und). Klar gönne ich mir hier und da was. Habs neulich mal mit Ofenchips probiert, die aber nicht wirklich lecker waren. Wie es aussieht, ist gerade mal wieder nichts das richtige, daher vermute ich eine akut, depressive Episode, wie es so schön heißt.

Dass es mir nicht gut geht, merke ich auch daran, dass ich mich zu nichts, aber auch gar nichts ohne größte Anstrengung aufraffen kann. Aber wenn nahezu gar nichts mehr geht, hilft meistens wenigstens noch laufen. Also hab ich mich heute mit viel Mühe in die Laufklamotten geschmissen und bin raus, trotz Regen und anfänglicher Kälte. Die Beine waren noch schwer und der untere Rücken zwackte von der Gymnastik, aber das versuchte ich zu ignorieren. Ich brauchte nicht lange, um mich für die 10 km Runde zu entscheiden, die Standardrunde von sechs Kilometern wäre heute zu wenig gewesen (gefühlt hätten es heute dann wohl eher 20 werden müssen!). Schnell wurde mir warm, zu warm, aber was solls, Ärmel hoch, Reißverschluss auf und gut is. Die Leichtigkeit wollte sich auch mit Musik nicht wirklich einstellen, aber zum Ende hin spürte ich wenigstens den Muskelkater nicht mehr.

Ich hab ja schon mal erwähnt, dass ich trotz Musik sehr gut meinen Gedanken nachhängen kann. So kam es, dass mein Vater heute beim Laufen gedanklich sehr präsent war. Man soll ja über Verstorbene nichts schlechtes sagen (und das hab ich auch nie getan), aber heute wurde mir schlagartig so einiges bewusst, was mich später dann zu Hause erst mal richtig dolle hat heulen lassen. Seine größte Sorge war, dass ich ihn blamieren könnte; er war nie für mich da und hatte stets den "armer-Alkoholiker-Bonus", dem man alles verzeiht und womit man alles erklärt. Infolgedessen habe ich ihn post mortem auf ein Podest gestellt, wo er weiß Gott nicht hin gehört, denn im Erklären und Entschuldigen bin ich wahrhaft ein Weltmeister. Schade nur, dass (manche) Gefühle sich nicht wegerklären lassen, die sind, wie sie sind, da hilft auch der schärfste Verstand mit den besten Erklärungen nicht weiter, da muss man dann eben durch. Wie lange aber kaue ich auf diesem Thema schon herum!? Ich weiß nicht, was ich noch tun muss, um die Vergangenheit mal endgültig abzuschließen...

Aber zwei Dinge helfen mir meistens sehr gut: das Schreiben und das Laufen. Und jetzt gehts mir auch schon wieder wesentlich besser. Danke fürs Lesen bzw. Zuhören :-)


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