Donnerstag, 25. August 2016

"Mächtig verstimmt"...

... oder anders ausgedrückt: Ich bin gerade ziemlich angepisst. Und da es mir immer hilft, wenn ich schreibe, mache ich das auch jetzt.

Es ist wohl meine unausgesprochene Pflicht, als Mutter die Arschkarte zu haben, wenn es darum geht, bei irgendwelchen Zukunftsprojekten oder was auch immer Schwarz-Maler, Kritiker, Spielverderber oder Spaßbremse zu sein. Das mache ich nicht, weil ich es so lustig finde, sondern weil es für mich ein Akt der Fürsorge, der Weitsicht und eine realistische Form von Liebe ist und weil ich nun mal nicht die gute Freundin, sondern die Mutter bin.

Aber irgendwann reicht es dann auch. Ich geb die Arschkarte jetzt mal wieder ab, bin raus und hab einfach keinen Bock mehr. Ich stehe somit nicht mehr zur Verfügung, wenn gerade mal wieder irgendwas brennt und ich mal ganz schnell irgendwas erledigen soll, weder physisch noch monetär, vor allem nicht monetär.

Ich weiß nur zu gut, das Kinder kleine egoistische Monster sind. Erst gestern hatte ich noch so ein kleines, schreiendes, einjähriges Etwas auf dem Arm, aber das hat seine Mama dann auch glücklicherweise wieder mitgenommen. Außerdem weiß ich, dass ich wohl nicht anders war. Gerade ich war ein verwöhntes Einzelkind. Na ja, aber war ich das wirklich? Ich habs mir ja nicht ausgesucht, hätte zu gerne noch Geschwister gehabt. Immerhin ist dieses verwöhnte Einzelkind seit Jahren in Therapie und ganz bestimmt nicht, weil die Oma so ein lockeres Portmonait hatte und auch nicht, weil ich statt Zeit, Anerkennung und Aufmerksamkeit noch ein Fahrrad, noch ein Skateboard oder auch mal ein Pferd, ein Kaninchen, einen Papagei oder ein Kätzchen bekommen habe.

Gut, meine Eltern haben es damals nicht besser gewußt, wie ich auch, vermute ich mal. Trotzdem wollte ich es besser machen und ich denke, schon alleine wegen des anderen Intellekts ist es mir gelungen und natürlich nicht zuletzt wegen meiner eigenen Erfahrungen als Kind. Doch kann ich wirklich stolz auf meine Leistung als Mutter sein? Wie viel Einfluss habe ich wirklich auf die Entwicklung meines Sproßes gehabt und wie viel Charakter oder genetische Veranlagung steckt da mit drin?

Es ist müßig, darüber zu spekulieren. Die Dinge sind, wie die Dinge nun mal sind. Und glücklich bin ich in der "Rolle" schon längst nicht mehr, ja sogar bin ich seit längerem schon bewußt auf Distanz gegegangen (ein bisschen mehr, als nur "los lassen" vermute ich), weil ich es nicht mehr unbedingt ertrage, daß ich wohl zusehen muss, wie viele Dinge so ganz anders laufen, als ich mir das gewünscht hätte. Aber das ist wohl der Lauf der Dinge, das ist das Leben. Wie heißt es doch in dem Lied "Kompaß ohne Norden" von Prinz Pi so schön:

Meine Eltern sind enttäuscht von mir
Und deren Eltern sind enttäuscht von ihnen
Und ganz egal, welchen Weg man läuft
Mit jedem Schritt tritt man auf Minen
Meine Kinder werden mich enttäuschen
Und deren Kinder werden die enttäuschen
Und deren Enkel werden die enttäuschen
Wir jammern gern - so sind wir Deutschen


Was es wirklich bedeutet, spüren wir erst am eigenen Leib, wenn wir selber Kinder haben. Und so wird es unseren Kindern vermutlich auch gehen. Kein wirklicher Trost im Moment.

Neulich erst hatte ich zwei ernste Gespräche über Kinder, eines von Mutter zu Mutter (also  nicht meine Mutter!) und eines von Mutter zu meinerTante-ganz-bewußt-ohne-Kinder. Und ich habe beiden aus tiefer Überzeugung gesagt: "Hätte ich gewußt, wie groß die Bürde ist, ein Kind in die Welt zu setzen, hätte ich keins bekommen." Spricht das nun für mich, oder outet es mich als Schisser? In jedem Fall zeigt es, dass ich wohl sehr verantwortungsbewußt bin und ja, auch sehr kritisch. Ja, und nicht nur mit meinem Kind, sondern vor allem mit mir. "Auch wenn ich manchmal gern etwas glücklicher wär oder wenigstens ein bisschen dümmer...." singt Maxim in Einsam sind wir alle. "Am Ende ist alles so schön sinnlos...".

Ich habe erst vor kurzem gelernt, "auf mich zu achten". Nein, das ist nicht zu verwechseln mit (gesundem) Egoismus (das Wort ist leider inzwsichen negativer belegt, als es ursprünglich gedacht ist), das ist eher sowas Großes wie Selbstliebe. Da ich aber so mein Problem damit habe, mich selbst zu lieben, nennen wir es der Einfachheit halber "Selbstfürsorge". Es gelingt mir ganz gut, auf mich zu achten, schließlich hat mich wohl auch das Boreout dazu gezwungen. Eine Folge dessen ist jetzt, dass ich es nicht mehr jedem Recht machen möchte und das ich auch Nein sagen werde, wenn ich das Gefühl habe, nur ausgenutzt zu werden. Da werde ich (hoffentlich) auch bei meinem egozentrischen Kind keine Ausnahme mehr machen. Was abzuwarten und zu beweisen wäre... ;-)

...

Tatsächlich gehts mir jetzt schon besser. Schreiben ist meine Therapie. Möglicherweise liegt das aber auch daran, dass ich die meiner Meinung nach leckersten FrikadellchenBällchen ever gemacht und gegessen habe und der Bauch jetzt angenehm voll ist.

Übrigens könnte ich zu dem obigen Thema noch Etliches schreiben, aber ich belasse es dabei, so, wie es jetzt da steht.


Dienstag, 23. August 2016

Eine Tür, die sich schließt / Sunwalk

Heute ist kein Tag wie jeder andere für mich. Ein enorm schwieriges Kapitel in meinem Leben ist heute zu Ende gegangen. Nach sechs Jahren und zwei Monaten ist die Station "Stadt Stolberg" in meinem Lebenslauf zu Ende gegangen. Um 10 Uhr habe ich mich von meiner Chefin, Frau Jansen, verabschiedet und ihr die Schlüssel der Schule zurück gegeben, wie auch die EC-Karte fürs Online-Banking. Ich habe mich herzlich bei ihr für ihre stete Unterstützung bedankt und noch ein wenig mit ihr geplaudert. Leider stand ihr nächster Termin schon vor der Türe, so daß wir uns wirklich kurz fassen mussten. Tatsächlich hatte ich einen kurzen Augenblick mit einem Kloß im Hals zu kämpfen. Frau Jansen und ich sind aus dem selben Holz gemacht, beides Arbeitstiere, die einen hohen Anspruch an sich und ihr Tun haben. Vermutlich haben wir uns deshalb so gut verstanden. Etwas erstaunt war ich über ihre Anerkennung, dass ich so mutig meine Konsequenzen aus der unbefriedigenden Situation gezogen habe. Klar, kann man wirklich so sehen. Aber das mit dem Lob ist immer noch nicht so ganz mein Ding ;-)...

Wahrscheinlich war ich heute zum letzten Mal in meinem Leben in Stolberg. Ich mag diese Stadt einfach nicht und hätte niemals zuvor gedacht, dass ich einmal dort arbeiten würde. Und wo ich nun schon einmal da war, zog es mich kurioserweise noch einmal zum Goethe Gymnasium, wo ich mich noch von meinem Lieblingshausmeister verabschiedet habe. Mit einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren, ohne mich auch nur von einer einzigen Person der Gesamtschule verabschiedet zu haben.

Dieser Job war unterm Strich eine sehr wertvolle Erfahrung, die mich mir näher gebracht hat, als sonst irgendwas. Dafür bin ich dankbar und nun mache ich einen dicken, fetten Haken dran, denn die Türe in die Firma ATESTEO öffnet sich am kommenden Donnerstag. So ist das im Leben, ein Kommen und Gehen...

...

Apropos Gehen... Um 14 Uhr schnappte ich mir meine Walkingstöcke und schmiss mich in ein sunwalk-taugliches Outfit. Eigentlich wollte ich ja Kärchern, aber mit Rücksicht auf die Migräne meiner Nachbarin ließ ich das bleiben. Angedacht waren 8 Kilometer, weitestgehend über die Felder. Es waren 30 Grad und ich hatte tatsächlich Sommergefühle (was heißt, es war mir nicht zu heiß, sondern konnte es genießen). Ich marschierte los und spürte sogleich, dass es genau die richtige Entscheidung war. So riecht der Sommer, so sieht er aus und so fühlt er sich vor allem an. Herrlich! Ich versuchte dies alles in ein gedankliches Päckchen zu packen, das ich bei Bedarf aus meiner imaginären Gute-Momente-Kiste raus holen würde, wenn das Wetter mal wieder mies sein würde (so mies, dass es mich nervt, was ja selten der Fall ist).

Die Stoppelfelder ließen mich unweigerlich ans Reiten denken. Ob ich jemals nochmal Reiten würde? Wie mochte es wohl Diabolo gehen? Der Mais stand schon sehr hoch, es roch leicht nach Gülle, weil in der Ferne ein Bauer düngte. Salzige Schweißtröpfchen sammelten sich über meiner Lippe und ein weiterer Tropfen rutschte von der Stirn an der Nase entlang, den ich mit der Zunge auffing. Ja, es war richtig heiß, aber es störte mich nicht im Geringsten. Meine Gedanken wanderten immer wieder zur Schule und zur neuen Arbeit zurück. Vorfreude kam auf. Auf einem Feld wendete ein junger Mann mit dem Traktor das Stroh. Als er sah, dass ich zu ihm hin schaute, winkte er freundlich, was mich ungemein freute. Mir fiel der uralte Bauer ein, der auch immer so süß und zahnlos lächelte und grüßte, wenn er mich sah. Schon freundlich, unsere regionalen Landwirte! Ich stellte mir dann vor, dass der junge Mann auf Grund meines Outfits glaubte, ich wäre vielleicht eine junge Chica und musste für mich alleine so lachen bei dem Gedanken, dass er es stattdessen mit einer alternden Milf zu tun hatte, die sich hinter Sonnenbrille, Cappy und Pferdeschwanz verbarg. Einen knappen Kilometer weiter überholte mich ein anderer Träcker. Diesmal saß ein Kind am Steuer und der Papa daneben.  Während der Sohnemann das Riesending gekonnt einparkte, kam der Vater-Bauer direkt auf mich zu und quatschte mich an, ob das nicht zu heiß wäre heute und so. Ich fands total nett, wie die so drauf waren und plauderte kurz mit ihm. Danach musste ich ständig an Bauer sucht Frau denken und an meine fixe Idee von vor einiger Zeit, auf einem Hof arbeiten zu wollen. Würde ich das immer noch wollen? Nein, vermutlich nicht. Es sei denn, der Hof hatte auch Pferde ;-).

Als ich nach 6 Kilometern in den schattigen Wald einbog, war es, als ob jemand die Klimaanlage eingeschaltet hätte. Wow, das war jetzt echt angenehm. Meine größte Sorge galt ab da den Bremsen, die hoffentlich einen weiten Bogen um mich machten, denn der Wald war immer noch richtig nass. Ich war erstaunt, wie sehr er sich verändert hatte! Es wucherte und wuchs an allen Ecken wie blöd, Zäune waren teilweise verschwunden und es ergab ein völlig neues Bild. Na kein Wunder, bei dem vielen Regen. Wiederholt dankte ich meinem Schöpfer dafür, dass ich all das sehen, riechen und hören konnte, dass ich gesund und munter dieses Wunder der Natur erleben darf und vor allem, dass ich die Zeit dazu habe (und noch nicht irgendwo arbeiten muss) und wir in dieser schönen Ecke wohnen, wo ich Wald und Felder direkt vor der Haustüre habe, wo kein Krieg tobt und überhaupt... Für alles war ich irgendwie dankbar und das tat wirklich gut. Selten hab ich mich so in meiner Mitte gefühlt!

Mittwoch, 17. August 2016

Neuigkeiten - und... alles wird gut!

Nun sind schon wieder über zwei Monate vergangen, also Zeit, nochmal was von mir hören zu lassen.

Das Unwichtigste zuerst: Ich laufe immer noch nicht wieder richtig, komme mit Müh und Not auf sechs Kilometer und versuche aktuell wieder eifrig, mein Gewicht zu reduzieren, möglichst noch um 5,5 kg. Also hier, alles beim Alten :-/... Nach dem es in den letzten Monaten beruflich für mich immer schlimmer wurde, habe ich dem Kummerspeck alle Ehre gemacht und diesen bis auf 82 kg anwachsen lassen. Vielleicht war es auch noch mehr, ich habe mich bewusst nicht gewogen, erst, als es anfing wieder "besser" zu werden und ich den ungeschönten Fakten wieder ins brutale Gesicht schauen wollte.

Wegen dieser beruflichen Kacksituation habe ich im November begonnen, mich vermehrt extern zu bemühen und einige Bewerbungen geschrieben. Interne Wechsel erwiesen sich als nicht machbar, so blieb mir ohnehin keine Wahl. Es gestaltete sich alles sehr zäh und langwierig, besonders für jemanden wie mich, der mit zweitem Namen "Ungeduld" heißen könnte. Je länger es dauerte, umso schlechter ging es mir. Es kostete mich immer mehr Überwindung, morgens aufzustehen und in die Schule zu fahren, freundlich zu bleiben und gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Mit jedem Tag merkte ich mehr, dass der Job einer Schulsekretärin für mich nicht der richtige ist (was allerdings auch der besonderen Situation mit den beiden Schulen geschuldet war). Dachte ich im ersten Jahr tatsächlich, ich hätte einen Traumjob, so erwies sich dieser im Laufe der Jahre als wahrer Albtraum für mich. Dass ich das Zeitfenster des Ausharrens überstrapaziert hatte, zeigten mir meine körperlichen Beschwerden in Form von Schlafstörungen, Tinnitus, Gereiztheit und Depressionen. Ja, Unterforderung und Nichtauslastung macht genauso krank wie Stress!

Doch genug davon... Im Juli war es endlich soweit und es ergab sich, dass ich eine neue Stelle fand und endlich kündigen konnte. Ich bin laut schreiend und wild wie ein Derwisch durchs Zimmer gehopst, so habe ich mich gefreut, als der erlösende Anruf kam. Meine gesundheitlichen Argumente waren zum Glück auch groß genug, dass man sich auf eine sehr kurzfristige Aufhebung des Arbeitsverhältnisses einließ und ich nun am 01. September schon den neuen Job anfangen kann. Aber wie das so ist im Leben, wenn, dann kommt ja bekanntlich alles auf einmal. Gerade waren wir aus dem wunderschönen Urlaub von Mallorca zurück, da bekam ich eine Email von der Polizei. Dort hatte ich mich im November 2015 initiativ beworben, dieser Arbeitgeber war bis dato mein absoluter Favorit, hier wußte ich außerdem, stand ich oben auf der Warteliste. Endlich kamen die Stellenausschreibungen zur Verstärkung der Polizei, auf die ich so lange und so sehnsüchtig gewartet hatte. Dumm nur, dass sie zwei Wochen zu spät kamen, denn ich hatte ja schon den neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Was jetzt tun? Dirk war der Meinung, ich solle einen Haken dran machen und dem öffentlichen Dienst ein für allemal den Rücken kehren. Das versuchte ich auch zunächst. Doch immer wieder kam mir die Sache in den Sinn und ließ mir einfach keine Ruhe.

Nach langem Zögern und Zaudern habe ich mich nun entschieden, auf die Email eine Rückmeldung zu geben und mein immer noch vorhandenes Interesse auch weiterhin bekundet. Ich kann einfach nicht ignorieren, dass mir ein Job bei der Polizei als das Non-plus-Ultra im Kopf herum schwebt, zumal es eine Ausschreibung dort gibt, die wie für mich gemacht zu sein scheint. Nun heißt es wieder warten, was geschieht. Aber das Schöne ist ja, dass ich nichts zu verlieren habe. So oder so, das Wichtigste ist, dass ich aus der Schule raus bin. Alles Weitere habe ich dem lieben Gott in die Hände gegeben; er darf nun beeinflussen, welcher der richtigere Weg bzw. Job für mich ist und damit werde ich mich so oder so mehr als zufrieden geben.

Ich sags ja nicht gerne, weil es so eine dumme Floskel geworden ist, aber dennoch: Alles wird gut!