Dienstag, 23. August 2016

Eine Tür, die sich schließt / Sunwalk

Heute ist kein Tag wie jeder andere für mich. Ein enorm schwieriges Kapitel in meinem Leben ist heute zu Ende gegangen. Nach sechs Jahren und zwei Monaten ist die Station "Stadt Stolberg" in meinem Lebenslauf zu Ende gegangen. Um 10 Uhr habe ich mich von meiner Chefin, Frau Jansen, verabschiedet und ihr die Schlüssel der Schule zurück gegeben, wie auch die EC-Karte fürs Online-Banking. Ich habe mich herzlich bei ihr für ihre stete Unterstützung bedankt und noch ein wenig mit ihr geplaudert. Leider stand ihr nächster Termin schon vor der Türe, so daß wir uns wirklich kurz fassen mussten. Tatsächlich hatte ich einen kurzen Augenblick mit einem Kloß im Hals zu kämpfen. Frau Jansen und ich sind aus dem selben Holz gemacht, beides Arbeitstiere, die einen hohen Anspruch an sich und ihr Tun haben. Vermutlich haben wir uns deshalb so gut verstanden. Etwas erstaunt war ich über ihre Anerkennung, dass ich so mutig meine Konsequenzen aus der unbefriedigenden Situation gezogen habe. Klar, kann man wirklich so sehen. Aber das mit dem Lob ist immer noch nicht so ganz mein Ding ;-)...

Wahrscheinlich war ich heute zum letzten Mal in meinem Leben in Stolberg. Ich mag diese Stadt einfach nicht und hätte niemals zuvor gedacht, dass ich einmal dort arbeiten würde. Und wo ich nun schon einmal da war, zog es mich kurioserweise noch einmal zum Goethe Gymnasium, wo ich mich noch von meinem Lieblingshausmeister verabschiedet habe. Mit einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren, ohne mich auch nur von einer einzigen Person der Gesamtschule verabschiedet zu haben.

Dieser Job war unterm Strich eine sehr wertvolle Erfahrung, die mich mir näher gebracht hat, als sonst irgendwas. Dafür bin ich dankbar und nun mache ich einen dicken, fetten Haken dran, denn die Türe in die Firma ATESTEO öffnet sich am kommenden Donnerstag. So ist das im Leben, ein Kommen und Gehen...

...

Apropos Gehen... Um 14 Uhr schnappte ich mir meine Walkingstöcke und schmiss mich in ein sunwalk-taugliches Outfit. Eigentlich wollte ich ja Kärchern, aber mit Rücksicht auf die Migräne meiner Nachbarin ließ ich das bleiben. Angedacht waren 8 Kilometer, weitestgehend über die Felder. Es waren 30 Grad und ich hatte tatsächlich Sommergefühle (was heißt, es war mir nicht zu heiß, sondern konnte es genießen). Ich marschierte los und spürte sogleich, dass es genau die richtige Entscheidung war. So riecht der Sommer, so sieht er aus und so fühlt er sich vor allem an. Herrlich! Ich versuchte dies alles in ein gedankliches Päckchen zu packen, das ich bei Bedarf aus meiner imaginären Gute-Momente-Kiste raus holen würde, wenn das Wetter mal wieder mies sein würde (so mies, dass es mich nervt, was ja selten der Fall ist).

Die Stoppelfelder ließen mich unweigerlich ans Reiten denken. Ob ich jemals nochmal Reiten würde? Wie mochte es wohl Diabolo gehen? Der Mais stand schon sehr hoch, es roch leicht nach Gülle, weil in der Ferne ein Bauer düngte. Salzige Schweißtröpfchen sammelten sich über meiner Lippe und ein weiterer Tropfen rutschte von der Stirn an der Nase entlang, den ich mit der Zunge auffing. Ja, es war richtig heiß, aber es störte mich nicht im Geringsten. Meine Gedanken wanderten immer wieder zur Schule und zur neuen Arbeit zurück. Vorfreude kam auf. Auf einem Feld wendete ein junger Mann mit dem Traktor das Stroh. Als er sah, dass ich zu ihm hin schaute, winkte er freundlich, was mich ungemein freute. Mir fiel der uralte Bauer ein, der auch immer so süß und zahnlos lächelte und grüßte, wenn er mich sah. Schon freundlich, unsere regionalen Landwirte! Ich stellte mir dann vor, dass der junge Mann auf Grund meines Outfits glaubte, ich wäre vielleicht eine junge Chica und musste für mich alleine so lachen bei dem Gedanken, dass er es stattdessen mit einer alternden Milf zu tun hatte, die sich hinter Sonnenbrille, Cappy und Pferdeschwanz verbarg. Einen knappen Kilometer weiter überholte mich ein anderer Träcker. Diesmal saß ein Kind am Steuer und der Papa daneben.  Während der Sohnemann das Riesending gekonnt einparkte, kam der Vater-Bauer direkt auf mich zu und quatschte mich an, ob das nicht zu heiß wäre heute und so. Ich fands total nett, wie die so drauf waren und plauderte kurz mit ihm. Danach musste ich ständig an Bauer sucht Frau denken und an meine fixe Idee von vor einiger Zeit, auf einem Hof arbeiten zu wollen. Würde ich das immer noch wollen? Nein, vermutlich nicht. Es sei denn, der Hof hatte auch Pferde ;-).

Als ich nach 6 Kilometern in den schattigen Wald einbog, war es, als ob jemand die Klimaanlage eingeschaltet hätte. Wow, das war jetzt echt angenehm. Meine größte Sorge galt ab da den Bremsen, die hoffentlich einen weiten Bogen um mich machten, denn der Wald war immer noch richtig nass. Ich war erstaunt, wie sehr er sich verändert hatte! Es wucherte und wuchs an allen Ecken wie blöd, Zäune waren teilweise verschwunden und es ergab ein völlig neues Bild. Na kein Wunder, bei dem vielen Regen. Wiederholt dankte ich meinem Schöpfer dafür, dass ich all das sehen, riechen und hören konnte, dass ich gesund und munter dieses Wunder der Natur erleben darf und vor allem, dass ich die Zeit dazu habe (und noch nicht irgendwo arbeiten muss) und wir in dieser schönen Ecke wohnen, wo ich Wald und Felder direkt vor der Haustüre habe, wo kein Krieg tobt und überhaupt... Für alles war ich irgendwie dankbar und das tat wirklich gut. Selten hab ich mich so in meiner Mitte gefühlt!

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