Samstag, 31. Dezember 2016

Ein Versprechen und ein guter Vorsatz

Nun hat es mich am letzten Tag des Jahres doch noch erwischt. Nein, ich habe mich nicht erkältet, ich meine den Blues, den Jahresendstimmungsblues.

Habe ich die Weihnachtszeit in diesem Jahr ungewöhnlich gut überstanden, überkommt mich heute eine Melancholie, gegen die ich mich nur schwer wehren kann. Was ist denn nur los?! Es war doch ein sehr gutes Jahr im Grunde genommen...

Ich habe endlich meinen Job gekündigt und eine neue, sehr herausfordernde Stelle angetreten. Diese Stelle verlangt mir einiges ab und obwohl ich nur noch Teilzeit arbeite, fühle ich mich erschöpfter als zuvor im Vollzeitjob. Ich habe das Gefühl, mehr denn je, dass ich keine Zeit mehr habe. Keine Zeit für mich, für Dinge, die mir Spaß machen, die mir gut tun - mir fehlt einfach die nötige Energie. Irgendetwas scheine ich also falsch zu machen und ich fürchte, ich weiß auch was. Es ist der Druck, der hohe Anspruch, den ich mir immer wieder selbst auferlege. Nein, ich gebe nicht 100 Prozent, ich will immer mindestens 10 Prozent mehr geben. Und das ist auf Dauer sehr anstrengend. Stets bin ich im Laufschritt unterwegs und nicht selten erledige ich zwei oder drei Dinge gleichzeitig. Das kostet viel Energie und Konzentration, denn es ist ja auch mein Anspruch, keine Fehler zu machen und ja, immer wieder schnell zu sein, prompt abzuliefern. Warum nur?! Warum bin ich so bescheuert?! Es scheint fast so, als müsse ich die Unausgeglichenheit und Langeweile der letzten Jahre nun mit Vollgas kompensieren, von ein Extrem ins andere. Hab ich was gut zu machen bei irgendwem?!

Oder muss ich vielleicht unterbewusst immer noch meinem Vater gerecht werden, der einmal zu mir sagte, dass ich ihn bloß nicht blamieren soll, als ich im selben Betrieb wie er meine Ausbildung anfing? Es ist schon krank, wie tief manche Dinge sitzen! Du musst fleißig sein, du musst schnell und gut sein - so oder ähnlich wurde es mir eingeimpft. Da werde ich im nächsten Jahr 50 Jahre alt und bin in meinem Inneren immer noch das kleine Mädchen, dass den Papa nur ja stolz machen will...

Von guten Vorsätzen halte ich nicht mehr viel, da ich sie ohnehin nicht einhalte. Dennoch möchte ich mich auf einen möglichen Vorsatz festlegen: Ich werde einen Gang zurückschalten im Job. Wenn selbst mein Chef sagt "Es ist nur Arbeit" und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, dann werde ich mir davon eine Scheibe abschneiden. Mir zuliebe. Ich möchte nicht länger das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren und ansonsten keine Power mehr für anderes zu haben.

Es ist erstaunlich, was sich beim Schreiben ergibt. Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben. Doch zeigt sich wieder einmal, wie therapeutisch das Schreiben tatsächlich ist und was es ans Tageslicht befördert. Dass ich hier und heute über "Arbeit" schreibe, war so nicht geplant und ich gebe zu, es fuckt mich gerade ziemlich ab, dass dieses Thema bei mir so derart präsent ist und eine solche Wichtigkeit hat, dass ich darüber schon einmal ziemlich krank geworden bin. Das soll sich ändern, dieses Versprechen gebe ich mir hier und heute selbst.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieser Zeilen einen guten Rutsch in ein gesundes und hoffentlich unbeschwertes, zufriedenes Jahr 2017. Es bleibt spannend, wie immer :-)

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