Sonntag, 11. Juni 2017

Sommer und Karl Ove - Zeit für ein Update und neue Ziele

Heute ist Sonntag, der 11. Juni 2017 und ich habe seit langem wieder das Bedürfnis, zu schreiben. Aktuell lese ich nämlich das Buch von Karl Ove Knausgard "Kämpfen" und es kommt immer wieder vor, dass ich dabei denke: Verdammt, das kann ich doch auch, das ist doch genau mein Thema und ebenso meine Vorstellung vom Schreiben! Entschuldigt, ich will nicht anmaßend klingen und ich bin Lichtjahre weit davon entfernt, mich mit diesem Schriftsteller zu vergleichen, der schon so viel veröffentlicht hat und schon so oft ausgezeichnet wurde für seine Schreiberei. Und dennoch finde ich so viele Parallelen und ich kann seine Gedankengänge so gut nachvollziehen. Ich wollte auch immer "meine ganz persönliche Geschichte" schreiben, meine Vergangenheit erzählen, mein Verhältnis zu meinen Eltern, meine Kindheit und Jugend und meine Rastlosigkeit, von meiner Scheidung und der zweiten Ehe, dem Mutter-Sein und die fortwährende Suche nach dem, was man als "angekommen" bezeichnet.

Meine Gedanken überschlagen sich, wenn ich oft im Wald unterwegs bin und ich denke, ja, das muss ich so oder so schreiben. Ich lege mir Formulierungen zurecht und habe sogar nachts in Träumen irgendwelche Sätze im Kopf, bei denen ich unterschwellig denke, dass ich das so schreiben muss. Es ist aber verhext, denn ich kann meine Geschichte nicht schreiben, die da heißen könnte "Nichts als die Wahrheit" oder so. "Torn" - zu deutsch Zerrissen, war lange Zeit der mögliche Titel meiner Wahl und das für mich so völlig passende Adjektiv. Die Wahrheit, meine Wahrheit, würde vielen nicht gefallen oder sie verletzen, genau wie bei Karl Ove, dessen Onkel die Veröffentlichung des Buches um jeden Preis verhindern wollte. Und zerrissen deshalb, weil es mich umtreibt, das Verlangen, der Wunsch all das aufzuschreiben und es andererseits nicht zu können. Aber mein Zerrissen hat viele Gesichter, das Nicht-Schreiben-Können-aber-Wollen ist nur eines.

In einer Rezension seines Romans "Sterben" fand ich folgende Beschreibung für ihn, von einer Frau, die ihn erst nicht lesen wollte und dann ganz schnell zum Fan wurde: "... weil ich ihn für einen eitlen, aufgeblasenen, seinen Egoergüssen verschriebenen Jammerlappen und Narzisten hielt..." Das gleicht dem, was sein Onkel über ihn behauptet. Seltsamerweise finde ich mich auch ein kleines bisschen in dieser Beschreibung wieder. In ihrem nächsten Satz schreibt sie, es sei wie eine Sucht, ihn zu lesen. Interessanterweise heißen seine Romane Sterben, Lieben, Spielen, Leben, Träumen und Kämpfen. Alles "Überschriften", mit denen ich viel anfangen kann und ich weiß jetzt schon, dass ich nach Kämpfen alle weiteren Romane lesen werde, auch wenn Kämpfen quasi der Letzte ist. Aber ich lese ja auch meistens eine Zeitung von hinten nach vorne, also ist das okay.

Knausgard ist absolut mein Ding. Ich mag die Art, wie leicht und authentisch er das Hier und Jetzt mit der Vergangenheit vermischt, gespickt mit literarischen und geschichtlichen Ergänzungen oder tiefschürfenden Erkenntnissen, seine langen Sätze, die Aufzählungen seiner alltäglichen und im Grunde so banalen Handlungen, so, wie ich damals Briefe geschrieben habe oder Tagebucheinträge, zwischen Kochtopf und Hausaufgaben, eingestreute philosophische Überlegungen, immer irgendwie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich kann nicht behaupten, dass ich ihn inwischen, 15 - 20 Jahre später gefunden hätte. Aber ich glaube, ich bin ihm schon ein ganzes Stück näher gekommen und wie bei allem scheint auch diesmal der Spruch "Der Weg ist das Ziel" zuzutreffen. Sieht so aus, als käme die Weisheit wirklich mit zunehmendem Alter ;-).

Kurze Pause, weil Abendbrot...

So, heute gibts also keinen Tatort, er wurde im Vorfeld wieder mal verrissen. Obwohl ich die Stadt Dresden sehr mag, sind die Tatorte von dort nicht mein Fall. Außerdem ist das Wetter noch so schön, dass es eine Schande wäre, nicht draußen zu sitzen und zu schreiben, schließlich muss ich noch die Kurve kriegen und zum Update kommen. Aber wie schon oben erwähnt, überschlagen sich meine Gedanken immer noch so sehr, dass ich von Hölzchen auf Stöckchen komme und mich über alles mögliche auslassen möchte. Vor allem suche ich, während ich hier schreibe, gedanklich nach einem anderen Titel für meinen Blog, denn auch, wenn ich demnächst wieder plane, mehr zu laufen, soll es künftig doch ein eher allgemeiner Blog werden. Irgendwelche  Vorschläge? Ich bin für alles offen.

Jetzt aber was zum Thema "Speck":

Seit gut vier Wochen halte ich nun mein neues Gewicht (trotz Mallorca-Urlaub und Stockholm-Wochenende), welches sich zwischen 72 und 70 Kilo bewegt, je nach Tagesform. Geschafft habe ich das mit der hCG-Stoffwechselkur. Hätte ich nur eher gewusst, wie leicht es damit funktioniert! Inzwischen bin ich so mutig und behaupte, es hat definitiv Klick bei mir gemacht und ich weiß jetzt, wie ich mich dauerhaft ernähren sollte, um nicht wieder auf die 80 Kilo zuzusteuern. Ich fühle mich blendend und seit langem endlich mal wieder wohl in meinem Körper. Ich mag mich wieder im Spiegel ansehen und kriege beim Eincremen meines Körpers keine Frustanfälle mehr, ja, ich finde mich vielmehr echt in Ordnung, so wie ich jetzt bin. Und so soll und darf es bitte bleiben. Eigentlich möchte ich gerne noch drei oder vier Kilo mehr abnehmen. Aber ich habe jetzt jeden Druck heraus genommen und wenn noch was runter geht, ist es gut und wenn es so bleibt, ist es auch gut. Nur mehr werden darf es nicht wieder.

Und noch was zum "run":

So richtig aufgehört mit dem Laufen hab ich ja nicht, aber ich habe es sehr gemütlich gehandhabt und mit 78 Kilo auf den Rippen läuft es sich nun mal auch nicht so gut. Nach meinem 2. Berlin-Halbmarathon 2013 (Wahnsinn, das ist ja auch schon vier Jahre her!) habe ich mich ja längere Zeit gänzlich dem Laufen verweigert und bin irgendwann nach der Auszeit mehr oder weniger nur noch im Lust-und-Laune-Modus gelaufen, mehr weniger als mehr. Seit der hCG-Kur, die in der sogenannten "strengen Phase" nur max. 700 Kalorien am Tag erlaubt, bin ich wieder enorm motiviert, mehr Sport zu machen, auch, wenn ich das Fitnessstudio nur als zahlendes Mitglied inaktiv nutze. Vielleicht ändert sich das ja auch nochmal. Mit meiner neuen Arbeitsstelle kam die Teilzeit und auch die flexiblen Arbeitszeiten, was die Sache mit dem Sport jetzt immens erleichtert. So bin ich seit April zumindest walkend sehr viel unterwegs gewesen, (zwischendurch auch mal gelaufen) und habe es im Mai auf 227 gegangene Kilometer gebracht. (Die lange Abhandlung meiner Begeisterung über die Läufe oder Walks früh morgens vor der Arbeit erspare ich Euch an dieser Stelle. Aber hier gibts ein Foto:)



Die Motivation und Euphorie des Gewichtsverlustes hält an und hat mich dazu bewogen, mir ein neues Ziel zu stecken: Ich möchte im kommenden Jahr noch einmal einen Halbmarathon laufen, schließlich sind aller guten Dinge drei. So hoffe ich, gut und sportlich über die Winterzeit zu kommen, ohne mich wieder essenstechnisch gehen zu lassen und ins tiefe Loch des Winterfrustes zu fallen. Ich finde, das ist ein guter Plan. Ach ja, geplant ist außerdem, am 15.07. ein neues Tattoo zu bekommen. Es trägt den Titel "Always by your side" und wird ein (laufender) Engel werden, ich freue mich schon, den Schriftzug wird Tim designen, der das ja jetzt studiert. Und es ist auch kein typischer Engel, wie man ihn sich vermutlich jetzt vorstellt, nun, ich bin sicher, dass ich zu gegebener Zeit ein Foto posten werde.

Das wars dann erstmal wieder.

Bis bald mal wieder :-)